Die Nachricht seines Todes kommt völlig unerwartet am Montagvormittag. Ich bin gerade unterwegs. Ein Herzstillstand, sagt mein Vorstandskollege Lukas am Telefon. Ich bin sprachlos. Dann versuche ich, meine kreisenden Gedanken in Worte zu fassen. Peter hat zwar durch seine Erkrankung an Multipler Sklerose immer wieder mit seiner Gesundheit zu kämpfen, dennoch ist sein plötzlicher Tod ein Schock.

Peter, der unerschütterliche Optimist, der immer das Positive in jeder auch noch so kleinen Veränderung in der Welt sieht. Peter der Kämpfer, der seine schwere Krankheit wegzustecken versucht, als sei es ein Schnuppen. Peter, die Drehscheibe für Menschen verschiedenster Einstellungen und Biografien. Peter, der sie alle zusammenbringt, sie für seine Vision begeistert. Er, der bedingungslos an unser aller Qualitäten glaubt. Peter, plötzlich nicht mehr erreichbar! Diese Leere, sie fröstelt mich.

Inspiration für die Inklusion aller

Es ist Peter, der mich in die Queer-Community einführt und mir damit den Blick für die Vielfältigkeit der Gesellschaft eröffnet. Durch ihn komme ich in Kontakt zu Behindertenrechts-Aktivist*innen, was mir ein völlig neues Bewusstsein für den gesellschaftlichen Status von Menschen mit Behinderungen und anderen benachteiligten Teilen der Bevölkerung gibt. Und es ist auch Peter, der mich mit Menschen zusammenbringt, die zu meinen engsten Freunden werden sollten. 

So zum Beispiel mit Azlan Endut, ein enger Weggefährte von Peter. Gemeinsam mit Eleonora Gubler gründen sie 2014 den Verein Einfache Sprache Schweiz. Dieser kämpft für die Verbreitung einer einfachen Sprache in der Schweiz und macht beispielsweise schwer geschriebene Texte von Behörden in einfach verständlicher Sprache verfügbar. Aus dem Verein «Einfache Sprache Schweiz» wird 2020 der Verein «Inklusion für alle». Ohne den unerschütterlichen Optimismus von Peter und den unermüdlichen Einsatz von Azlan, den Verein strategisch vorwärts zu bringen, wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen.

Für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen wie auch von LGBT-Menschen

Manchmal durchaus bestimmend, aber immer offen für andere Vorschläge, ist Peter bis zuletzt der Arbeit an einer besseren Gesellschaft verpflichtet. Er ist der unbequeme Alte, der den bequemen Behörden immer wieder eine Bewegung abzuringen vermag. Mit hartnäckiger Repetition der im Grunde immer gleichen Forderungen und mit seinem unerschütterlichen Optimismus setzt er sich für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen und die Gleichstellung von Menschen aus der LGBT-Community ein. Ebenso für die einfache Sprache und eine Kommunikation ohne Barrieren.

So gründet er mit Christoph Linggi von mensch-zuerst schweiz ein politisches Tandem und kämpft in der grünliberalen Partei für Menschen mit Behinderungen, einfache Sprache, Barrierefreiheit und Inklusion. Für Christoph war Peter ein Vorbild, von dem er viel gelernt hat. An der Zurich-Pride leistet er zusammen mit Behindertenrechts-Aktivist*innen und angehörigen der LGBT-Community Pionierarbeit, indem er Vertreter*innen beider Gruppen zur Teilnahme mobilisiert.

Sie machen auf Mehrfach-Benachteiligungen etwa von Menschen, die mit einer Behinderung leben und homosexuell sind, aufmerksam. Diese Rolle als Selbstvertreter im doppelten Sinne hat Strahlkraft innerhalb beider Communitys. Und motiviert zahlreiche Vertreter*innen, öffentlich sichtbar ebenfalls für ihre Rechte einzustehen. Er versteht es, Menschen für gemeinsame Ziele zusammenzubringen und scheut dafür keinen Aufwand.

Der Mentor

Als überzeugter Liberaler hat Peter keine Berührungsängste mit Politker*innen vielfältiger Couleur und glaubt an eine soziale Marktwirtschaft. Als Kämpfer für Minderheiten reichen seine Sympathien weit nach links. Und auch mit politisch konservativ gesinnten Personen findet er Umgang. Immer bestärkend in Projektideen, die die Menschen um ihn herum umtreiben, fungiert er als Mentor. Mit seiner Lebenserfahrung und seiner Grosszügigkeit wirkt er manchmal wie der Grossvater einer grossen Familie.

Sein Lebenspartner Jürg steht bedingungslos hinter seinen Projekten. Umgekehrt unterstützt und fördert Peter ihn in seinen Vorhaben. Beide haben einen vielfältigen Freund*innenkreis. Diese spannenden Menschen mit ihren vielfältigen Ansichten bringen sie bei gemeinsamen Festen gerne zusammen. Peter diskutiert bei diesen Anlässen oder auch während der Arbeit gerne über diverse gesellschaftspolitische Themen. Er ist stets auf dem neusten Stand, was die aktuellen politischen Entwicklungen betrifft. Unser Vorstandsmitglied Lukas Brügger geniesst die stundenlangen und tiefgehenden gesellschaftspolitischen Debatten mit Peter. Sie werden fehlen.

So viel vor – so wenig Zeit

In einem ruhigen Moment auf einer Zugfahrt sagt mir Peter einmal: «Ich wünschte, ich hätte dich früher kennengelernt.» Der Satz hallt nach. Peter setzt grosses Vertrauen und Hoffnung gerade in junge Menschen, und verfügt bis zuletzt über eine geistige Offenheit, die ihresgleichen sucht. 

Seine eigene Endlichkeit hat er immer vor Augen, doch hat er immer so viel vor, dass ihn wohl sein eigener Tod überrascht. So wie er auch uns im Vorstand von «Inklusion für alle» überrumpelt. Wir hätten so gerne noch danke sagen wollen. Für seinen Mut, sein Vertrauen, seine Ermutigungen und seinen Glauben an eine offene, zugängliche Gesellschaft. 

Peter, du wirst uns fehlen.